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Ruhr-Nachrichten
vom 22.11.2006
Aus
Liebe zum Leben
Petra Strößner ist von Beruf Sterbebegleiterin
Wenn sich Petra Strößner auf den Weg zu einem Kunden
macht, weiß sie: Dieser Hausbesuch könnte der letzte
sein. Aus Liebe zum Leben umgibt sich die 48-Jährige
tagtäglich mit dem nahenden Tod.
„Bei der Geburt ist kein Mensch allein – warum
sollte es am Ende der Lebenszeit anders sein
müssen?”, rechtfertigt Petra
Strößner ihre berufliche Mission: Vor knapp einem
Jahr hat sich die einst ehrenamtlich tätige Mitarbeiterin als
Sterbe- und Trauerbegleiterin selbstständig gemacht. Ihre
Firma heißt „Leiden leichter”.
Schicksale wie das einer Nachbarin führte die gelernte
Kauffrau auf neue Pfade: „Die Dame ist jetzt 100 Jahre alt
und schon lange bettlägerig”, erzählt
Strößner. „Morgens, mittags und abends
versorgt sie ein Pfleger mit dem Nötigsten. Den Rest des Tages
ist die Frau allein.”
Eine quälende Vorstellung, aus der Frau
Strößner die Kraft für ihre schwierige
Aufgabe schöpft. „Ich kann nicht einfach zusehen,
wie Menschen leiden.”
Dabei leistet die gebürtige Kölnerin weit mehr, als
Todkranken auf der letzten Etappe ihres Lebens die Hand zu halten und
durch liebevolle Gesten Wärme und Geborgenheit zu vermitteln.
Petra Strößner hat ein offenes Ohr für die
Sterbenden. Wenn die Kunden aus ihrem Leben erzählen oder
innere Konflikte zur Sprache bringen, hört die zierliche Frau
mit dem herzlichen Lächeln einfach nur zu – oder
bringt die Erzählungen auf Wunsch zu Papier. „Wer zu
Lebzeiten sein Leben aufbereitet hat, stirbt leichter”, sagt
sie ganz selbstverständlich.
Genauso wichtig wie die Betreuung und kreative Beschäftigung
der Sterbenden sei es, „die Trauernden so zu stabilisieren,
dass ich mich guten Gewissens zurückziehen kann.”
Strößner begleitet Angehörige im Schnitt
ein halbes Jahr. „Entscheidend ist, sich der Trauer sofort zu
stellen – sonst sind Depressionen vorprogrammiert.”
• Christoph Walter |